Linked Data
Konzept und Praxis, strukturierte Daten im Web mittels URIs, RDF und HTTP so zu veröffentlichen, dass Maschinen sie eindeutig identifizieren, verknüpfen und gemeinsam abfragen können, vorgeschlagen 2006 von Tim Berners-Lee.
Definition
Linked Data ist eine Praxis und ein Konzept, strukturierte Daten im Web so zu veröffentlichen, dass sie maschinell identifizierbar, abrufbar und mit anderen Datensätzen verknüpfbar werden. Tim Berners-Lee formulierte das Konzept 2006 in einem kurzen Design-Issues-Memo und gab vier Regeln vor:
- URIs als Namen für Dinge verwenden, nicht nur für Web-Seiten.
- HTTP-URIs verwenden, damit Menschen und Maschinen sie auflösen können.
- Beim Auflösen nützliche Daten in einem Standardformat wie RDF liefern.
- Links zu anderen URIs einbauen, damit Datensätze sich gegenseitig erreichen.
Diese vier Regeln sind bis heute das technische Rückgrat des semantischen Webs.
Mechanismus und Architektur
Im Kern besteht Linked Data aus drei Bausteinen:
- URIs: Globale, eindeutige Bezeichner für Entitäten, etwa http://www.wikidata.org/entity/Q937 für Albert Einstein.
- RDF: Datenmodell aus Triple-Statements (Subjekt, Prädikat, Objekt), die Aussagen über URIs ausdrücken.
- HTTP: Transportprotokoll, das URIs auflöst und RDF-Daten ausliefert. Content Negotiation steuert Format (Turtle, RDF/XML, JSON-LD).
Auf dieser Grundlage entstehen vernetzte Graphen, die über SPARQL-Endpoints abgefragt werden können. Federated SPARQL erlaubt sogar Abfragen, die mehrere Endpoints gleichzeitig kombinieren, etwa Wikidata mit DBpedia oder einer Behörden-Datenbank.
5-Star-Open-Data-Schema
Berners-Lees Skala bewertet offene Daten nach Reifegrad:
- 1 Stern: Offen lizenzierte Daten in beliebigem Format.
- 2 Sterne: Strukturiertes Format, etwa Excel statt Scan.
- 3 Sterne: Offenes Format, etwa CSV statt Excel.
- 4 Sterne: URIs zur Identifikation, RDF als Datenmodell.
- 5 Sterne: Verlinkung zu anderen Datensätzen, vollwertige Linked Data.
Diese Skala ist im Open-Data-Diskurs etabliert und wird oft in Behörden-Strategien zitiert.
Praxis und Anwendung
Linked Data ist 2026 vor allem in vier Bereichen produktiv:
- Forschung: Lebenswissenschaften (PubChem, ChEMBL, UniProt), Sprachwissenschaft (Linguistic LOD Cloud), Kulturgut (Europeana, Getty Vocabularies).
- Behörden: Statistikämter wie das BFS publizieren Daten als Linked Data, EU-Behörden nutzen Eurovoc und CDM.
- Bibliotheken und Museen: DNB, Library of Congress, Smithsonian veröffentlichen ihre Bestände als Linked Open Data.
- Web-weit: Schema.org und JSON-LD sind die populärsten Linked-Data-Vehikel im offenen Web, getrieben durch SEO und Google Knowledge Panels.
- KI-Grounding: Wikidata und DBpedia als Faktenquelle für LLM-Antworten und RAG-Pipelines.
Praktisch wird Linked Data heute oft pragmatisch verwendet: JSON-LD-Einbettung in HTML statt vollwertiger Triple-Store, Mapping zu Wikidata-IDs statt eigenständiger SPARQL-Endpoint.
Häufige Fehler
- URIs ohne Auflösbarkeit: Eine URI, die unter HTTP keine Daten liefert, verletzt die zweite Regel und macht den Datensatz unbrauchbar.
- Nur Identifikation, keine Links: Datensätze ohne Verknüpfung zu Wikidata, DBpedia oder anderen Hubs bleiben Inseln.
- Falsche Content Negotiation: Server liefern nur HTML, nicht RDF. Maschinen können die Daten nicht konsumieren.
- Schema-Drift: URIs werden gewechselt, alte Links brechen. Cool URIs don't change ist eine zentrale Regel.
- Übermässige OWL-Komplexität: Vollwertige Ontologien überfordern viele Datenpublikationen. SKOS oder einfaches RDFS reicht oft.
- Endpoint-Performance: Öffentliche SPARQL-Endpoints sind oft instabil, was Anwendungen unzuverlässig macht.
Abgrenzung
- Open Data: Lizenzfreie Daten in beliebigem Format. Linked Data ist die höchste Stufe davon.
- Linked Open Data: Schnittmenge aus Linked Data und Open Data, oft synonym verwendet.
- REST-API: Proprietäres Schema, kein gemeinsames Modell.
- Knowledge Graph: Anwendung von Linked Data, die Wissensdomäne strukturiert.
- Schema.org: Vokabular, das via JSON-LD auf Linked-Data-Prinzipien aufbaut, aber bewusst auf SPARQL und Endpoints verzichtet.
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← Zurück zum LexikonHäufige Fragen
Was ist Linked Data?+
Linked Data bezeichnet eine Reihe von Best Practices, strukturierte Daten im Web so zu veröffentlichen, dass Maschinen sie identifizieren, abrufen und mit anderen Datensätzen verknüpfen können. Grundlage sind URIs für Entitäten, HTTP als Abrufmechanismus und RDF als gemeinsames Datenmodell.
Woher kommt der Begriff?+
Tim Berners-Lee, Erfinder des Web, hat den Begriff 2006 in einem Design-Issues-Memo geprägt. Er formulierte vier Regeln: URIs als Namen für Dinge verwenden, HTTP-URIs damit Leute sie auflösen können, beim Aufruf nützliche RDF-Daten liefern, und Links zu anderen URIs einbauen. Diese Regeln definieren bis heute Linked Data.
Was ist das 5-Star-Open-Data-Schema?+
Ebenfalls von Berners-Lee, beschreibt es eine Skala für offene Daten: ein Stern für offen lizenzierte Daten in beliebigem Format, zwei für strukturierte Formate, drei für offene Formate wie CSV, vier für URIs und RDF, fünf für vernetzte Linked Data. Es ist die populärste Reifegrad-Skala für Open Data.
Was ist die LOD-Cloud?+
Die Linked Open Data Cloud ist eine wachsende Sammlung untereinander verknüpfter offener Datensätze, visualisiert seit 2007 als Diagramm. Sie umfasst 2026 über 1500 Datensätze aus Bereichen wie Wissenschaft, Regierung, Medien und Geographie. Wikidata, DBpedia und GeoNames bilden die zentralen Hubs.
Welche Beziehung besteht zu RDF und SPARQL?+
RDF ist das Datenmodell, in dem Linked Data ausgedrückt wird. SPARQL ist die Abfragesprache, mit der Linked Data über Endpoints abgefragt wird. Linked Data ohne RDF ist möglich, aber unüblich. Federated SPARQL ermöglicht das gleichzeitige Abfragen mehrerer Endpoints über das Web.
Was unterscheidet Linked Data von einer offenen API?+
Eine REST-API liefert Daten in einem proprietären Schema, das pro Anbieter neu zu integrieren ist. Linked Data nutzt globale URIs und ein gemeinsames Modell (RDF), sodass Datensätze unterschiedlicher Anbieter ohne weitere Übersetzung verknüpft werden können. Die Konsequenz: deutlich tiefere Integrationskosten beim Zusammenfügen.
Welche Rolle spielt Linked Data 2026?+
2026 ist die akademische und behördliche Adoption stabil, der Hype der frühen 2010er Jahre ist vorbei. Wikidata ist der dominante Hub, JSON-LD über Schema.org ist die mit Abstand erfolgreichste Linked-Data-Implementierung im offenen Web. Für LLM-Grounding und Knowledge-Graph-Konstruktion ist Linked Data wichtige Infrastruktur.
Was sind die grössten Schwächen?+
Operativ ist Linked Data anspruchsvoll: SPARQL ist steil zu lernen, Triple-Stores sind teurer als SQL, Daten-Qualität schwankt stark, Endpoints fallen aus. Konzeptuell krankt Linked Data an der fehlenden Mainstream-Adoption ausserhalb Wissenschaft und Verwaltung. JSON-LD und Schema.org sind die pragmatischen Erben.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Tim Berners-Lee, Linked Data Design Issues (2006)
- W3C Linked Data Platform Specification
- 5-Star Open Data Scheme
Wikidata: Q515701 · Zuletzt geprüft: 2026-06-07