Agentic Relations

DeepSeek (Modell-Familie)

Familie offener Sprach- und Reasoning-Modelle des chinesischen KI-Labors DeepSeek, das 2024 und 2025 mit V3 und R1 die Open-Weights-Performance auf Frontier-Niveau gebracht hat.

Definition

DeepSeek ist eine Familie offener grosser Sprachmodelle und Reasoning-Modelle des chinesischen KI-Labors DeepSeek-AI, das 2023 als Spin-off des Hedge Fonds High-Flyer Capital Management gegründet wurde. Die Modelle gehören seit Ende 2024 zu den weltweit führenden offenen Sprachmodellen und haben die Wahrnehmung des Open-Source-Frontier-Wettrennens grundlegend verändert. Mit DeepSeek V3 (Dezember 2024) und DeepSeek R1 (Januar 2025) hat das Labor zwei Modelle veröffentlicht, die in mehreren Benchmarks mit GPT-4o und OpenAI o1 konkurrieren, dabei aber unter MIT-Lizenz verfügbar sind.

Der DeepSeek-Effekt geht weit über die technische Performance hinaus. Die geringen angegebenen Trainings-Kosten und die offene Verfügbarkeit nährten 2025 Debatten über die Wirtschaftlichkeit westlicher Frontier-Investments, die Wirksamkeit von US-Exportkontrollen für GPUs und die Rolle Chinas im globalen KI-Ökosystem. Aktienmärkte reagierten heftig, und KI-Labore wie OpenAI, Anthropic und Google waren gezwungen, ihre Roadmaps und Preisstrategien zu überdenken.

Geschichte und Architektur

DeepSeek-AI wurde von Liang Wenfeng gegründet, der zuvor den quantitativen Hedge Fonds High-Flyer aufgebaut hatte. High-Flyer hatte über Jahre einen der grössten privaten GPU-Cluster Chinas akkumuliert, ursprünglich für quantitatives Trading. Ab 2023 wurde dieser Cluster zunehmend für KI-Forschung umgewidmet. Liang verfolgt einen ungewöhnlich offenen Ansatz: alle Modelle werden mit detaillierten Technical Reports und offenen Gewichten veröffentlicht.

Wichtige Meilensteine:

  • DeepSeek LLM (November 2023): erstes Modell, 67B Parameter, dense.
  • DeepSeek Coder (November 2023): Code-Spezialist, 1B bis 33B Parameter.
  • DeepSeek V2 (Mai 2024): 236B MoE, neue Multi-Head Latent Attention (MLA).
  • DeepSeek V3 (Dezember 2024): 671B MoE mit 37B aktiv, GPT-4o-Niveau.
  • DeepSeek R1 (Januar 2025): erstes offenes Reasoning-Modell auf o1-Niveau, Pure-RL-Training.
  • DeepSeek V3.1, V3.2 (2025): iterative Verbesserungen.
  • DeepSeek VL2 (2025): Vision-Variante.

Architektonisch nutzt DeepSeek mehrere bemerkenswerte Innovationen:

  • Multi-Head Latent Attention (MLA): komprimiert Key-Value-Caches drastisch, reduziert Speicher-Bedarf für lange Kontexte.
  • DeepSeekMoE: Sparse Mixture-of-Experts mit feingranularer Experten-Spezialisierung und gemeinsamen Experten für allgemeine Sprache.
  • Auxiliary-Loss-Free Load Balancing: elegantere Methode für Experten-Balance ohne separaten Loss-Term.
  • Multi-Token Prediction (MTP): Vorhersage mehrerer Tokens parallel im Training, beschleunigt Konvergenz.

Diese architektonischen Optimierungen sind ein wesentlicher Grund, warum DeepSeek mit deutlich weniger Compute vergleichbare Performance erreicht. R1 fügte einen methodischen Durchbruch hinzu: Pure-RL-Training für Reasoning, ohne Bedarf an menschlich annotierten Reasoning-Schritten.

Praxis und Anwendung

DeepSeek wird in verschiedensten Szenarien eingesetzt:

  • Konsumenten-Chat: DeepSeek Chat App war im Januar 2025 zeitweise die meistgeladene App im US-App-Store, vor ChatGPT.
  • API-Nutzung: zahlreiche Anwender nutzen die offizielle DeepSeek-API für günstige Hochvolumen-Anwendungen.
  • Self-Hosting: für regulierte Branchen oder geopolitisch sensible Anwender ist Self-Hosting der offenen Gewichte üblich.
  • Hosted-Anbieter: Together AI, Fireworks, DeepInfra und Hyperbolic hosten DeepSeek-Modelle ausserhalb Chinas.
  • Fine-Tuning-Basis: R1-Destillationen auf kleinere Modelle (Qwen, Llama) sind weit verbreitet.

Das Pricing macht DeepSeek zu einer der preisgünstigsten Frontier-Optionen am Markt: Das Start-Promo-Pricing von 0.14 Dollar pro Million Input-Tokens (Cache Miss) und 0.28 Dollar Output galt bis zum 8. Februar 2025, danach 0.27 Dollar Input und 1.10 Dollar Output; seit V3.2-Exp (September 2025) rund 0.28 Dollar Input und 0.42 Dollar Output. Mit Off-Peak-Rabatten (UTC 16:30 bis 00:30) sanken die Preise zeitweise weiter: 50 Prozent für V3, 75 Prozent für R1. Cached Inputs sind nahezu kostenlos. Westliche Hosted-Anbieter (Together, Fireworks) berechnen typischerweise 0.5 bis 1 Dollar Input und 1 bis 2 Dollar Output für ähnliche Performance.

Self-Hosting von V3 (671B) erfordert mehrere H100- oder H200-GPUs, typischerweise 8x H200 oder 16x H100 für FP8-Inferenz. Mit Quantisierung sinkt der Bedarf weiter. Tools wie vLLM, SGLang und TensorRT-LLM unterstützen DeepSeek nativ. Für kleinere Setups eignen sich destillierte Varianten (DeepSeek-R1-Distill-Qwen-7B und Llama-8B), die R1-Reasoning-Patterns auf kompakte Modelle übertragen.

Häufige Fehler

  • Trainings-Kosten naiv übernehmen: die genannten 5.6 Millionen Dollar decken nur die finale Trainings-Phase. Forschung, Experimente, Daten-Kuration und vorherige Modelle kommen hinzu, geschätzt 100 bis 200 Millionen Dollar.
  • Pure-RL-Mythos: R1-Zero nutzte Pure RL, aber das finale R1 enthält weiterhin Supervised Fine-Tuning und Cold-Start-Daten. Der Training-Pipeline ist hybrid.
  • API in regulierten Branchen nutzen: Daten gehen nach China und unterliegen chinesischem Recht. Banken, Gesundheit, öffentliche Verwaltung sollten Self-Hosting wählen.
  • Zensur unterschätzen: die Modelle weichen bei politisch sensiblen Themen aus. Für China-Marktanwendungen ist das Feature, für andere Märkte potenziell problematisch.
  • MLA-Kompatibilität voraussetzen: Multi-Head Latent Attention erfordert angepasste Inferenz-Engines. Standard-Transformers-Implementations unterstützen MLA möglicherweise nicht optimal.

Abgrenzung

  • Mistral, Mixtral: europäische Open-Weights-Konkurrenten, kleiner und weniger Frontier-Performance.
  • Llama (Meta): US-amerikanische Open-Weights-Familie, breiter im Ökosystem, schwächer in Reasoning seit R1.
  • Qwen (Alibaba): chinesischer Konkurrent, ähnliche Strategie, breiteres Modell-Lineup.
  • GPT-4, Claude: proprietäre Frontier-Modelle, höhere Preise, stärkere Multimodalität.
  • OpenAI o1, o3: proprietäre Reasoning-Modelle, R1 ist die offene Alternative.

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Häufige Fragen

Was ist DeepSeek?+

DeepSeek ist eine Familie offener Sprach- und Reasoning-Modelle des chinesischen KI-Labors DeepSeek-AI, gegründet 2023 von Liang Wenfeng. Die wichtigsten Modelle sind DeepSeek V3 (Dezember 2024, 671B MoE), DeepSeek R1 (Januar 2025, Reasoning-Modell vergleichbar mit o1) und DeepSeek Coder (Coding-Spezialist). Die Modelle sind unter MIT- oder eigener offener Lizenz veröffentlicht.

Wer hat DeepSeek entwickelt?+

DeepSeek-AI wurde 2023 als Spin-off des Hedge Fonds High-Flyer Capital Management gegründet, geleitet von Liang Wenfeng. Das Unternehmen sitzt in Hangzhou und Peking. High-Flyer betreibt einen der grössten privaten GPU-Cluster Chinas mit über 10.000 A100-Karten, was die Compute-Basis für die Modell-Entwicklung liefert.

Welche DeepSeek-Modelle gibt es?+

Die wichtigsten Modelle sind DeepSeek LLM (2023), DeepSeek Coder (2023, Code-Spezialist), DeepSeek V2 (Mai 2024, 236B MoE), DeepSeek V3 (Dezember 2024, 671B MoE total mit 37B aktiv), DeepSeek R1 (Januar 2025, Reasoning), DeepSeek V3.1 und V3.2 (2025), sowie spezialisierte Varianten wie DeepSeek Math und DeepSeek VL für Vision.

Was war der DeepSeek-V3-Schock?+

DeepSeek V3 wurde im Dezember 2024 publiziert und erreichte GPT-4o-Niveau in vielen Benchmarks bei angegebenen Trainings-Kosten von nur 5.6 Millionen Dollar, etwa ein Zehntel der westlichen Frontier-Modelle. Der Börseneinbruch folgte allerdings erst auf DeepSeek R1 (20. Januar 2025) und den Sprung der DeepSeek-App an die Spitze des US-App-Stores: Am 27. Januar 2025 brachen KI-Aktien ein, vor allem Nvidia, was Debatten über Compute-Effizienz und Exportkontrollen nährte.

Was ist DeepSeek R1?+

DeepSeek R1 ist das erste offene Reasoning-Modell auf o1-Niveau, im Januar 2025 publiziert. Es nutzt Reinforcement Learning ohne menschliche Reasoning-Annotationen (Pure RL), was als methodischer Durchbruch gefeiert wurde. R1 erreicht auf AIME 79.8 Prozent und auf MATH 97.3 Prozent. Die Gewichte sind unter MIT-Lizenz verfügbar, was es zur ersten offenen Reasoning-Alternative zu o1 macht.

Wie schneidet DeepSeek in Benchmarks ab?+

DeepSeek V3 erreicht auf MMLU 88 Prozent, auf HumanEval (Coding) 82 Prozent und auf GSM8K 89 Prozent, was GPT-4o weitgehend entspricht. R1 dominiert im Reasoning-Segment und liegt auf AIME bei 79.8 Prozent, vergleichbar mit o1. In Chinesisch-spezifischen Benchmarks (CMMLU, C-Eval) übertrifft DeepSeek westliche Modelle deutlich. Schwächen zeigen sich in Multimodalität und Tool-Use.

Was kostet DeepSeek?+

Die offizielle DeepSeek-API ist eine der günstigsten am Markt: Das Promo-Pricing zum Start von V3 lag bei 0.14 Dollar pro Million Input-Tokens (Cache Miss) und 0.28 Dollar Output und galt bis zum 8. Februar 2025. Danach kostete V3 0.27 Dollar Input und 1.10 Dollar Output, seit V3.2-Exp (September 2025) rund 0.28 Dollar Input und 0.42 Dollar Output. Damit unterbietet DeepSeek Westanbieter deutlich. Self-Hosting ist mit den offenen Gewichten möglich, erfordert aber erhebliche Hardware (671B Parameter).

Welche Bedenken gibt es bei DeepSeek?+

Die Hauptbedenken sind Daten-Souveränität (API läuft in China, unterliegt chinesischem Recht), politische Zensur (das Modell weicht bei Themen wie Tiananmen, Tibet und Taiwan aus), sowie geopolitische Risiken durch US-Exportkontrollen. Italien und Australien blockierten DeepSeek 2025 zeitweise. Für sensible Use Cases empfiehlt sich Self-Hosting der offenen Modelle, wodurch viele dieser Bedenken entfallen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  • DeepSeek-AI (2024) DeepSeek-V3 Technical Report
  • DeepSeek-AI (2025) DeepSeek-R1 Technical Report
  • DeepSeek Model Cards (Hugging Face)
  • Stanford AI Index Report 2025

Wikidata: Q131577453 · Zuletzt geprüft: 2026-07-02