Chain-of-Thought Prompting
Prompting-Technik, die ein Sprachmodell anleitet, Zwischenschritte explizit zu artikulieren, bevor es eine finale Antwort gibt.
Definition
Chain-of-Thought (CoT) Prompting ist eine Prompting-Technik, die ein Sprachmodell dazu bringt, Zwischenschritte explizit zu artikulieren, bevor es eine finale Antwort gibt. Der Ansatz wurde 2022 von Jason Wei und Kollegen bei Google Research in der Publikation Chain-of-Thought Prompting Elicits Reasoning in Large Language Models vorgestellt und gehört seither zum festen Repertoire des Prompt Engineerings.
Die Grundidee ist, dass komplexe Aufgaben zerlegt werden müssen, um zuverlässig gelöst zu werden. Ein Sprachmodell, das gezwungen wird, einen Lösungsweg auszuschreiben, kann sich auf bereits geschriebene Zwischenergebnisse stützen und vermeidet Sprünge, die bei direkter Antwortgenerierung häufig fehlerhaft sind. Empirisch erhöht CoT die Genauigkeit auf mathematischen Benchmarks wie GSM8K und MATH um 20 bis 40 Prozentpunkte, bei logischen und kommonsense-bezogenen Aufgaben um ähnliche Beträge.
Mechanismus
CoT wirkt nicht durch Architektur-Änderung, sondern durch Verteilungs-Verschiebung in der Inferenz. Das Sprachmodell hat während des Trainings unzählige Beispiele von gut strukturierten Argumentationen gesehen, von Schulaufgaben bis zu wissenschaftlichen Papers. Eine Aufforderung zum schrittweisen Denken aktiviert diese Muster und führt zu konditionierter Generierung im Stil ausgearbeiteter Lösungen.
Zwei Hauptvarianten haben sich etabliert:
- Few-Shot CoT: Im Prompt werden ein bis acht Beispiele mit ausgeschriebenen Lösungswegen demonstriert. Das Modell imitiert dieses Muster.
- Zero-Shot CoT: Es genügt der Trigger Let us think step by step (Kojima et al., 2022). Das Modell produziert spontan ein Reasoning, ohne dass Beispiele nötig sind.
Self-Consistency (Wang et al., 2023) erweitert beide Varianten: Statt einer Generierung werden 5 bis 40 unabhängige Reasoning-Pfade gesampelt, und die Mehrheitsantwort wird als Ergebnis genommen. Dies stabilisiert stochastische Ausreisser, kostet aber proportional mehr Tokens.
Die nächste Evolutionsstufe sind Reasoning-Modelle wie OpenAI o1, o3 und Claude mit Extended Thinking. Sie führen CoT nicht mehr als Prompting-Trick durch, sondern haben Reasoning-Traces als Teil ihrer Architektur internalisiert, oft mit Reinforcement Learning auf Mathematik- und Code-Benchmarks trainiert.
Praxis
CoT ist 2026 fester Bestandteil produktiver Prompt-Pipelines. Empfehlungen:
- Trigger einsetzen: Let us think step by step, Show your reasoning, oder analoge Formulierungen in der Zielsprache.
- Strukturierte Ausgabe verlangen: Schritt 1, Schritt 2, Antwort. Das vereinfacht Parsing und Validierung.
- Self-Consistency bei kritischen Antworten: Wenn die finale Antwort wertvoll ist, lohnt sich Sampling mit Mehrheitsentscheid.
- Reasoning ausblenden im Frontend: Endnutzer sehen oft nur die finale Antwort, nicht die ausführliche Argumentation, ausser bei explizit transparenten Tools.
- Token-Budget berücksichtigen: Reasoning kostet Output-Tokens, die teurer sind als Input.
Frontier-Modelle reagieren stark auf CoT. Bei Claude lassen sich Extended-Thinking-Budgets von 1024 bis 100k Tokens setzen, die o-Serie und andere Reasoning-Modelle von OpenAI nutzen interne Reasoning-Tokens, die nicht im Output erscheinen, aber bepreist werden.
Häufige Fehler
- CoT bei einfachen Tasks: Klassifikation oder Faktenabfrage werden durch CoT unnötig teuer und langsam, ohne Qualitätsgewinn.
- Kleine Modelle: Unter 100 Milliarden Parametern wirkt CoT inkonsistent. Bei 7B-Modellen kann die Genauigkeit sogar sinken.
- Reasoning blind vertrauen: ausgeschriebene Argumentation klingt plausibel, ist aber nicht zwingend korrekt. Validierung via Tool-Use oder externer Berechnung ist nötig.
- Confabulation übersehen: Das Modell kann ein konsistentes Reasoning erfinden, das zur falschen Antwort führt. Grounding bleibt essenziell.
- CoT gegen Reasoning-Modelle: Wenn Reasoning-Modelle vorhanden sind, schlägt internes Reasoning fast immer prompt-basiertes CoT.
Abgrenzung
- Few-Shot Learning: Beispiele im Prompt, aber nicht zwingend mit Reasoning-Schritten.
- Tree-of-Thoughts: Erweiterung mit Verzweigung und Backtracking, exploriert mehrere Pfade parallel.
- ReAct: Kombiniert CoT mit Tool-Aufrufen in einer Reason-Act-Observe-Schleife.
- Reasoning-Modelle: internalisieren CoT als Architektur-Bestandteil und trainieren darauf, nicht Prompting-Trick.
- Scratchpad: synonymer Begriff aus älterer Literatur (Nye et al., 2021), in der Praxis durch CoT verdrängt.
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← Zurück zum LexikonHäufige Fragen
Was ist Chain-of-Thought Prompting?+
Chain-of-Thought (CoT) Prompting ist eine Technik, bei der ein Sprachmodell durch explizite Aufforderung dazu gebracht wird, Zwischenschritte vor der finalen Antwort zu artikulieren. Der Ansatz wurde 2022 von Wei et al. bei Google Research vorgestellt und erhöht die Genauigkeit bei mathematischen und logischen Aufgaben signifikant.
Wer hat Chain-of-Thought erfunden?+
Die Originalpublikation Chain-of-Thought Prompting Elicits Reasoning in Large Language Models stammt von Jason Wei und Kollegen bei Google Research aus dem Jahr 2022. Wei wechselte später zu OpenAI und arbeitete am o1-Modell mit. Kojima et al. zeigten kurz darauf, dass bereits das Anhängen von Let us think step by step ohne weitere Beispiele funktioniert.
Wie funktioniert Zero-Shot CoT?+
Zero-Shot Chain-of-Thought benötigt keine Beispiele im Prompt. Stattdessen genügt der Trigger Let us think step by step oder eine deutschsprachige Variante. Das Modell wird dadurch in einen analytischen Modus versetzt und schreibt Zwischenschritte aus, bevor es die finale Antwort gibt.
Was ist Self-Consistency?+
Self-Consistency (Wang et al., 2023) erzeugt mehrere unabhängige Chain-of-Thought-Antworten zu derselben Aufgabe und nimmt die Mehrheitsantwort als Ergebnis. Dies stabilisiert die Antworten und reduziert stochastische Ausreisser, kostet aber proportional mehr Tokens und Latenz.
Welche Modelle profitieren von CoT?+
CoT funktioniert ab einer Modellgrösse von etwa 100 Milliarden Parametern reliabel. Kleinere Modelle zeigen wenig Verbesserung oder werden sogar schlechter. Bei Frontier-Modellen wie Claude, GPT-4 und Gemini ist CoT ein Standard-Werkzeug, das auf Mathematik- und Logik-Benchmarks 20 bis 40 Prozentpunkte Genauigkeit bringen kann.
Wie unterscheidet sich CoT von Reasoning-Modellen?+
Reasoning-Modelle wie OpenAI o1, o3 und Claude mit Extended Thinking führen Chain-of-Thought intern als Teil ihrer Architektur durch, oft mit Reinforcement Learning auf Reasoning-Traces trainiert. Klassisches CoT bleibt ein Prompting-Trick auf normalen LLMs.
Wann ist CoT kontraproduktiv?+
Bei einfachen Faktenabfragen, Klassifikationen oder kurzen Antworten kostet CoT unnötig Tokens und Latenz. Bei schlechten Modellen kann das ausgeschriebene Reasoning zudem zu Confabulation führen. CoT lohnt sich vor allem bei mehrstufigen logischen oder mathematischen Problemen.
Was sind Tree-of-Thoughts und ReAct?+
Tree-of-Thoughts (Yao et al., 2023) erweitert CoT um Verzweigung und Backtracking: Mehrere Pfade werden parallel exploriert, schwache Zweige verworfen. ReAct kombiniert CoT mit Tool-Aufrufen, sodass das Modell zwischen Denken und Handeln alterniert. Beide sind Bausteine moderner Agent-Architekturen.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Wei et al. (2022) Chain-of-Thought Prompting Elicits Reasoning
- Kojima et al. (2022) Large Language Models are Zero-Shot Reasoners
- Wang et al. (2023) Self-Consistency
- OpenAI o1 Technical Report
Wikidata: Q135305651 · Zuletzt geprüft: 2026-07-02